Conti Ransomware: Erkennung, Sofortmaßnahmen und Datenwiederherstellung

Zuletzt fachlich geprüft: Variantenabhängig

Emergency Summary

Conti war ein Ransomware-as-a-Service, das ab Dezember 2019 beobachtet wurde, der Gruppe Wizard Spider zugeordnet wird und als Nachfolger von Ryuk gilt (Code-Wiederverwendung, gleiche TrickBot-Verteilung). Nach dem Leak von über 170.000 internen Chatnachrichten und des Quellcodes im Februar 2022 kündigte die Gruppe im Mai 2022 das Ende an; im Juni 2022 gingen die letzten Server offline. Mitglieder wechselten zu anderen Operationen.[1][2][3][6]

Dateiendung
.CONTI
Ransom Note
CONTI_README.txt
Zielsysteme
Windows
Entschlüsselung
Variantenabhängig

So erkennen Sie Conti

  • Dateien erhalten die Endung .CONTI. Ob die Endung angehängt oder der Dateiname vollständig ersetzt wird, kann je nach Variante abweichen.
  • In betroffenen Verzeichnissen liegt typischerweise die Datei CONTI_README.txt. Kopieren Sie eine Ransom Note als Beweismittel, statt sie auf produktiven Systemen zu öffnen oder zu löschen.
  • Doppelte Erpressung: Datendiebstahl (häufig mit rclone) und Verschlüsselung mit Veröffentlichungsdrohung.[1]
  • Erstzugang u. a. über Spearphishing (Nachladen von TrickBot, IcedID oder Cobalt Strike), gestohlene oder schwache RDP-Zugangsdaten und Schwachstellen; Cobalt Strike für Lateral Movement.[1][2]
  • Schnelle Verschlüsselung über I/O Completion Ports; verbreitet sich über SMB auf Netzwerkfreigaben und andere Hosts.[1][2]
  • Löscht Volumenschattenkopien per vssadmin.[1][2]
  • Der Quellcode wurde von anderen Akteuren weiterverwendet (z. B. LockBit Green).[5]
  • In den Ransom Notes dokumentierte Kontaktadressen können bei der Zuordnung helfen. Nehmen Sie keinen Kontakt auf, bevor Incident Response und Geschäftsführung das Vorgehen abgestimmt haben.

Sofortmaßnahmen bei Conti

  1. Isolieren statt löschen: Betroffene Systeme vom Netzwerk trennen (LAN, WLAN, VPN). Ob ein System ausgeschaltet wird, hängt vom Szenario ab: Beim Ausschalten gehen flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher verloren, bei laufender Verschlüsselung kann sofortiges Abschalten dennoch richtig sein.
  2. Verschlüsselte Originale nicht verändern: Keine Umbenennung von .CONTI-Dateien, kein Cleanup-Tool und keine Neuinstallation auf den Originaldatenträgern.
  3. Merkmale dokumentieren: Ransom Note (CONTI_README.txt), Dateiendung, Zeitpunkt der ersten Auffälligkeit und betroffene Systeme festhalten.
  4. Datenabfluss annehmen: Für diese Familie ist Double Extortion belegt. Firewall-, Proxy- und Cloud-Logs auf ungewöhnliche Uploads sichern und Datenschutzbeauftragte früh einbinden (DSGVO-Meldefrist 72 Stunden).
  5. Backups schützen: Backup-Repositories nicht mit kompromittierten Systemen verbinden und Zugangsdaten zum Backup-System ändern – von einem sauberen Gerät aus.
  6. Logs sichern: Windows-Ereignisprotokolle, EDR-Telemetrie, Firewall- und VPN-Logs exportieren, bevor sie rotieren.
  7. Zwei Fragen getrennt klären: Wer dämmt den Angriff ein (Incident Response)? Wer prüft die Wiederherstellbarkeit der Daten (Datenrettung)?

Technische Merkmale

Familie / BezeichnungConti
Dateiendung(en).CONTI
Lösegeldnotiz (Ransom Note)CONTI_README.txt
ZielsystemeWindows
VerschlüsselungsverfahrenAES (256) + RSA (4096) (laut Altdatenbestand)
Decryptor-VerfügbarkeitVariantenabhängig
Datenexfiltration / Double Extortionbelegt
Ransomware-as-a-Serviceja
Aktivitätinaktiv · erstmals beobachtet 2019[3]
Kontaktadressen der Angreifer (aus Ransom Notes)mantiticvi1976@protonmail.com, fahydremu1981@protonmail.com

Kann Conti entschlüsselt werden?

Variantenabhängig

Ob sich Conti entschlüsseln lässt, hängt von der konkreten Variante ab.[4]

  • RakhniDecryptor (Kaspersky): Nur für eine modifizierte Conti-Variante (entdeckt Dezember 2022), für die 258 private Schlüssel in geleakten Daten auftauchten (Tool veröffentlicht März 2023). Für das ursprüngliche Conti ist kein allgemeiner Decryptor dokumentiert.

Laut Datenbestand kombiniert Conti symmetrische Verschlüsselung mit einem asymmetrischen Verfahren (AES (256) + RSA (4096)). Ohne den privaten Schlüssel der Angreifer ist ein Brute-Force-Angriff auf solche Verfahren praktisch aussichtslos. Erfolgreiche Entschlüsselungen beruhen in der Regel auf Implementierungsfehlern oder sichergestellten Schlüsseln.

Hybride Verschlüsselung: Warum Ransomware ohne den privaten Schlüssel nicht zu knacken ist1 Dateischlüssel K: zufällig, je Datei neu (z. B. AES, ChaCha20) 2 Schnell verschlüsseln: Datei wird mit K verschlüsselt Öffentlicher Schlüssel: in der Ransomware enthalten (RSA oder ECC) 3 K einschließen: K wird mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt und an die Datei gehängt, das Original von K gelöscht Privater Schlüssel: nur bei den Angreifern. 4 nur dieser Schlüssel öffnet K. Wann es trotzdem Hoffnung gibt: Fehler im Code: z. B. schwacher Zufall oder Schlüssel im Speicher – Grundlage vieler Decryptoren; Beschlagnahmte Schlüssel: Behörden stellen private Schlüssel sicher, Tools z. B. über No More Ransom; Unverschlüsselte Bereiche: Teil- oder abgebrochene Verschlüsselung: Datenrettung kann Inhalte rekonstruieren. Ihr NetzwerkInfrastruktur derAngreiferOriginaldateiBericht.docx2 SchnellverschlüsselnDatei wird mit KverschlüsseltVerschlüsselteDateiBericht.docx.lockbit1 Dateischlüssel Kzufällig, je Datei neu (z.B. AES, ChaCha20)nutzt KÖffentlicherSchlüsselin der Ransomwareenthalten (RSA oderECC)3 K einschließenK wird mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt undan die Datei gehängt, das Original von K gelöschtKspeichertPrivater Schlüsselnur bei den Angreifern4 nur dieser Schlüsselöffnet KWann es trotzdem Hoffnung gibtFehler im Codez. B. schwacher Zufall oder Schlüsselim Speicher – Grundlage vielerDecryptorenBeschlagnahmte SchlüsselBehörden stellen private Schlüsselsicher, Tools z. B. über No MoreRansomUnverschlüsselte BereicheTeil- oder abgebrocheneVerschlüsselung: Datenrettung kannInhalte rekonstruieren © 2026 ransomware-reverse.de
Hybride Verschlüsselung: Warum Ransomware ohne den privaten Schlüssel nicht zu knacken ist1 Dateischlüssel K: zufällig, je Datei neu (z. B. AES, ChaCha20) 2 Schnell verschlüsseln: Datei wird mit K verschlüsselt Öffentlicher Schlüssel: in der Ransomware enthalten (RSA oder ECC) 3 K einschließen: K wird mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt und an die Datei gehängt, das Original von K gelöscht Privater Schlüssel: nur bei den Angreifern. 4 nur dieser Schlüssel öffnet K. Wann es trotzdem Hoffnung gibt: Fehler im Code: z. B. schwacher Zufall oder Schlüssel im Speicher – Grundlage vieler Decryptoren; Beschlagnahmte Schlüssel: Behörden stellen private Schlüssel sicher, Tools z. B. über No More Ransom; Unverschlüsselte Bereiche: Teil- oder abgebrochene Verschlüsselung: Datenrettung kann Inhalte rekonstruieren. Ihr NetzwerkOriginaldateiBericht.docx1 Dateischlüssel Kzufällig, je Datei neu (z. B. AES, ChaCha20)nutzt K2 Schnell verschlüsselnDatei wird mit K verschlüsseltVerschlüsselte DateiBericht.docx.lockbitÖffentlicher Schlüsselin der Ransomware enthalten (RSA oder ECC)3 K einschließenK wird mit dem öffentlichen Schlüsselverschlüsselt und an die Datei gehängt, das Originalvon K gelöschtInfrastruktur der AngreiferPrivater Schlüsselnur bei den Angreifern4 nur dieser Schlüssel öffnet KWann es trotzdem Hoffnung gibtFehler im Codez. B. schwacher Zufall oder Schlüssel im Speicher –Grundlage vieler DecryptorenBeschlagnahmte SchlüsselBehörden stellen private Schlüssel sicher, Tools z. B.über No More RansomUnverschlüsselte BereicheTeil- oder abgebrochene Verschlüsselung: Datenrettungkann Inhalte rekonstruieren © 2026 ransomware-reverse.de
Hybride Verschlüsselung: Warum Ransomware ohne den privaten Schlüssel nicht zu knacken ist. Jede Datei hat ihren eigenen Schlüssel. Diesen kann nur der private Schlüssel der Angreifer wieder freigeben – und der verlässt deren Infrastruktur nie.

Decryptoren immer zuerst an Kopien testen und nur aus seriösen Quellen beziehen, etwa über das Projekt No More Ransom. Angebliche Decryptoren aus Foren oder Videos sind häufig selbst Schadsoftware.

Mehr dazu: Ransomware entschlüsseln – Möglichkeiten und Grenzen.

Typische Techniken (MITRE ATT&CK)

Diese Techniken sind für Conti dokumentiert. Sie helfen IT-Teams, Logs und EDR-Daten gezielt zu prüfen, und zeigen, an welchen Stellen Schutzmaßnahmen greifen.

TaktikTechnik
AusführungT1059.003 Befehls- und Skriptinterpreter: Windows-Eingabeaufforderung
RechteausweitungT1055.001 Prozessinjektion: DLL-Injektion
TarnungT1140 Dateien oder Informationen entschleiern/dekodieren
TarnungT1027 Verschleierte Dateien oder Informationen
ErkundungT1135 Erkundung von Netzwerkfreigaben
ErkundungT1018 Erkundung entfernter Systeme
ErkundungT1049 Erkundung von Netzwerkverbindungen des Systems
Seitliche BewegungT1021.002 Remote-Dienste: SMB/Windows-Admin-Freigaben
Seitliche BewegungT1080 Manipulation gemeinsam genutzter Inhalte
SchadwirkungT1489 Dienste stoppen
SchadwirkungT1490 Systemwiederherstellung verhindern
SchadwirkungT1486 Daten zur Schadwirkung verschlüsseln

Quelle: MITRE ATT&CK: Conti (S0575)

Recovery-Optionen

Welche Methode greift, hängt vom Schadensbild ab. Keine der folgenden Optionen ist in jedem Fall möglich – sie sollten aber geprüft werden, bevor über eine Lösegeldzahlung nachgedacht wird.

VerfahrenVoraussetzungGrenze
Restore aus sauberem BackupBackup ist unverändert, offline oder immutable und frei von Persistenz der Angreifer.Backups können verschlüsselt, gelöscht oder bereits kompromittiert sein.
Snapshot-RecoveryStorage- oder Hypervisor-Snapshots wurden nicht gelöscht.Angreifer löschen Snapshots häufig gezielt.
Schattenkopien (VSS)Volume Shadow Copies sind noch vorhanden.Werden von vielen Familien vor der Verschlüsselung gelöscht.
Dateisystem-RekonstruktionVerwertbare Strukturen (MFT, Inodes, Journale) und unverschlüsselte Bereiche existieren.Abhängig vom Schadensbild; kein Ersatz für einen Schlüssel.
VM-/VMDK-/VHDX-RecoveryVirtuelle Festplatten sind nur teilweise verschlüsselt oder Datastores rekonstruierbar.Abhängig von Variante und Verschlüsselungsmodus.
RAID-/NAS-RecoveryDatenträger sind physisch lesbar, RAID-Parameter rekonstruierbar.Rebuilds oder Initialisierungen vor der Analyse können Daten zerstören.
Raw Recovery / CarvingDateiinhalte liegen unverschlüsselt in freien oder nicht überschriebenen Bereichen.Dateinamen und Ordnerstruktur gehen oft verloren.
Datenbank-/Applikations-RecoveryDatenbankdateien oder Transaktionslogs sind teilweise intakt.Technisch aufwendig, Ergebnis vorher nicht garantierbar.

Welcher Hilfeweg passt?

Häufige Fragen

Gibt es einen Decryptor für Conti?

Stand unserer Daten: Variantenabhängig. Dokumentiert ist: RakhniDecryptor (Kaspersky). Prüfen Sie Decryptoren nur an Kopien und nur aus seriösen Quellen wie No More Ransom.

Welche Dateiendung nutzt Conti?

Dokumentiert ist die Endung .CONTI. Je nach Variante kann die Endung abweichen; vergleichen Sie zusätzlich die Ransom Note.

Stiehlt Conti auch Daten?

Für diese Familie ist Double Extortion belegt: Daten werden vor der Verschlüsselung exfiltriert und mit Veröffentlichung gedroht. Eine Wiederherstellung der Daten beseitigt dieses Risiko nicht. Logs sichern und Datenschutzbeauftragte einbinden.

Wie heißt die Ransom Note von Conti?

Dokumentiert ist CONTI_README.txt. Sichern Sie eine Kopie der Notiz als Beweismittel und nehmen Sie keinen Kontakt zu den Angreifern auf, bevor das Vorgehen abgestimmt ist.

Soll ich den betroffenen Server ausschalten?

Das hängt vom Szenario ab. Zuerst isolieren (Netzwerk trennen). Beim Ausschalten gehen flüchtige forensische Spuren verloren; läuft die Verschlüsselung jedoch noch oder breitet sie sich aus, kann ein sofortiges Abschalten richtig sein. Stimmen Sie das möglichst mit einem Incident-Response-Team ab.

Sind meine Backups ebenfalls betroffen?

Möglicherweise. Angreifer suchen gezielt nach Backup-Servern, Repositories und Snapshots. Prüfen Sie Backups isoliert, bevor Sie sie mit dem Netzwerk verbinden, und validieren Sie Restore Points auf Persistenz.

Verwandte oder ähnliche Ransomware

Passende Ratgeber

Quellen und weiterführende Referenzen

  1. [1]CISA AA21-265A: Conti Ransomware (PDF) cisa.gov
  2. [2]MITRE ATT&CK: Conti (S0575) attack.mitre.org
  3. [3]BleepingComputer: Conti ransomware finally shuts down data leak, negotiation sites bleepingcomputer.com
  4. [4]The Register: Kaspersky Conti decryptor theregister.com
  5. [5]CISA AA23-165A: Understanding Ransomware Threat Actors: LockBit cisa.gov
  6. [6]BleepingComputer: Conti ransomware shows signs of being Ryuk's successor bleepingcomputer.com
  7. [7]No More Ransom – Entschlüsselungstools nomoreransom.org
  8. [8]ID Ransomware (MalwareHunterTeam) id-ransomware.malwarehunterteam.com

Basisdaten aus dem Ransomware-Reverse-Datenbestand, redaktionell ergänzt und mit den genannten Quellen abgeglichen.